
Das Straflager
Schwientochlowitz
Wer heute, mit dem Auto von Schwientochlowitz kommend, die scharfe Rechtskurve der Straße an den Zgoda-Werken vorbei Richtung Ruda O/S (Ruda Slaska) nimmt, kann die Geschichte nicht erahnen, die sich hinter den Schrebegärten zur linken Hand verbirgt. Nur noch ein Tor mit ziegelroten Pfosten erinnert daran, daß hier das Arbeitslager Schwientochlowitz stand: eine Nebenstelle von Auschwitz, in der seit Sommer 1943 Gefangene untergebracht waren, die in der nahen Eintrachtshütte kriegswichtige Güter montierten-ein Lager mit sieben Holzbaracken, einer Ambulanz, einer Leichenhalle, einem Strafbunker, einem elektrischgeladenen, doppelten Stacheldraht vier Wachtürmen und - vor dem umzäunten Terrain - eine Baracke für die Wachmannschaft und einer für den Kommandanten. So sah Schwientochlowitz bis zum 21. Januar 1945 aus, als die Deutschen das Lager aufgaben. So sah Swietochlowice aus, als es wenige Wochen später, nachdem die Rote Armee Kattowitz erobert hatte, vom polnischen Sicherheitsdienst übernommen wurde: jetzt als Straflager für Reichsdeutsche, die der Mitgliedschaft in der NSDAP, der HJ und des BDM verdächtigt waren, sowie für ehemals polnische Staatsbürger, die aufgrund ihrer deutschen Abstammung unter nationalsozialisten als Volksdeutsche geführt worden waren.* Etwa 2500 Oberschlesier - Kinder, Frauen und Männer sind in nur sieben Monaten im Lager Schwientochlowitz ermordet worden. Viele von ihnen sind nirgends namentlich erfaßt worden. *aus dem Buch: "Die Rache der Opfer" von Helga Hirsch